Quälen Sie sich noch mit Problemen oder lösen Sie sie schon? Lösungsorientiert Denken und Handeln

Als Problem bezeichnet man den Unterschied zwischen einem gewünschten Zielzustand und dem gegenwärtig Erreichten. Wir alle haben Probleme, überall und ständig. Doch wie wir sie bewerten, macht einen großen Unterschied. Die einen sehen das Problem als Herausforderung und Anreiz, Dinge anzupacken, andere reagieren gleichgültig darauf und für wieder andere ist es ein Grund, sich zu beklagen.

Wie merkt man, dass man sich übermäßig mit dem Problem beschäftigt?

Problemorientierung oder -fokussierung bedeutet, sich in Gedanken in einer Welt der Probleme aufzuhalten, sie ständig „wiederzukäuen“ und dadurch eine pessimistische Sicht in Bezug auf Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig stellen sich unangenehme Gefühle ein. Problemfokussierungen lassen sich an Formulierungen und Handlungen erkennen, die nur um das Problem kreisen, wie z. B.

  • Negative Wortwahl: „fürchterlich, keine Chance, schlimm ...“
  • Negativ besetzte Beschreibungen: „Alles dreht sich im Kreis.“
  • Unzulässige Verallgemeinerungen: „Es wird sich nie etwas ändern.“
  • Selbstvorwürfe: „Ich bin zu dumm dazu.“ „Ich kann gar nichts machen.“
  • Begründungen, warum es gar nicht anders sein kann als im Moment, außerhalb der eigenen Person: „XY ist schuld.“
  • Befürchtungen, Katastrophengedanken: „Ich werde auf der ganzen Linie versagen.“1

Menschen, die in einem Problem verhaftet sind, kann man auch an der Körpersprache (Atmung, Mimik, Gestik, Körperhaltung) und der Stimme anmerken, dass sie sich gerade nicht komfortabel fühlen.

Probleme verstärken sich ungewollt – neurobiologische Vorgänge

Wenn Sie sich zu intensiv mit dem Problem beschäftigen, müssen Sie sich nicht wundern, wenn es sich verstärkt und verfestigt. Steve de Shazer, einer der Entwickler der sogenannten Lösungsorientierten Kurztherapie hat daher den Satz geprägt: „Problem talk creates problems, solutions talks creates solutions“.

Das Phänomen hat eine neurobiologische Ursache. Die ständige Beschäftigung mit dem Problem aktiviert und stärkt in unserem Gehirn problemauslösende Netzwerke von Nervenzellen. Der Coach und Trainer Bernhard Tille sagt: „Die meisten Menschen machen sich nicht bewusst, dass diese ständigen Gedankenströme wie Autosuggestionen wirken, sofortigen Einfluss auf die Gefühle haben und das Verhalten steuern. Sich ständig wiederholende Gedanken führen zu inneren Bildern, die sich dann als Glaubenssätze verfestigen. Wenn dies über längere Zeit geschieht, prägen sich daraus Grundhaltungen und Rollenmuster, die in das Unterbewusstsein sinken und von dort aus, für den Betroffenen unmerklich, ihre mentale Wirkung entfalten."2

Denken in Lösungen schafft Freiraum

Wie bekommen wir also am besten unsere Probleme los? Es steckt schon im Wort: Schaffen wir Lösungen! Lösungsorientierung bedeutet das Anstreben von Zielen aus einer positiven Haltung heraus. Probleme werden als Herausforderung angenommen. Das funktioniert, indem Sie sich gedanklich von den unangenehmen Begleiterscheinungen des Problems lösen und sich an den angenehmen Seiten einer erfolgreichen Lösung ausrichten.3

Diese hilfreiche innere Haltung ermöglicht Ihnen den Zugang zu Ihren vorhandenen mentalen Ressourcen, die Sie zur Problemlösung einsetzen können. Warum ist das so? In unserem Gehirn wirkt der gleiche, oben beschriebene Mechanismus, allerdings in positiver Richtung.

Ein positiver Zustand lässt sich am Gebrauch positiver Formulierungen erkennen:

"Das kriegen wir hin", "Wir schaffen das, wenn wir jetzt...","Wenn wir XY erledigt haben, haben wir schon viel gewonnen.." etc. Wenn jemand vom Problem- in den Lösungsmodus wechselt, verändert er zudem seinen körpersprachlichen Ausdruck. Er richtet sich auf, wirkt entspannter und symmetrischer.

Trotzdem: Probleme bloß nicht ignorieren oder schön reden

Wichtig ist immer, ein vorhandenes Problem nicht zu ignorieren oder sich gar die Welt schön zu reden. Das wäre ein großer Fehler. Statt Probleme unter den Teppich zu kehren oder zu verharmlosen, muss man sich sehr wohl mit ihnen auseinandersetzen. Allerdings ohne in ihnen gefangen zu bleiben. Der verstorbene Psychotherapieforscher Klaus Grawe sieht in der Problemaktualisierung sogar einen der Erfolgsfaktoren für Veränderung.4 Und der Psychiater Michael Bohne weist darauf hin, dass unser Gehirn wissen muss, was es verändern soll. Was folgt daraus? Wir müssen ein Problem anerkennen, uns damit auseinandersetzen um eine Änderung herbeiführen zu können.

Wie so oft kommt es dabei auf das richtige Verhältnis an. Es geht darum, sich nicht ausschließlich mit der negativen Seite eines Problems zu befassen, sondern konsequent einen Übergang zur Lösung zu finden.

Die Unterstützung von Menschen, von einem Problem- in einen Lösungs- oder Zielzustand zu wechseln, ist im Übrigen primäre Aufgabe von Coaching und Psychotherapie. Es gibt viele Wege und Verfahren, das Ziel zu erreichen. Wir möchten Ihnen 14 hilfreiche Fragen anbieten, die Sie nutzen können, ein Problem zu bewältigen.

Fragen „Vom Problem zur Lösung“

  1. Was genau ist mein Problem?
  2. Seit wann besteht es?
  3. Wie kam es dazu?
  4. Wie zeigt es sich/wirkt es sich aus?
  5. Welche Ursachen vermute/n ich/die anderen?
  6. Welche Ausnahmen gibt es?
  7. Was habe ich bisher zur Lösung des Problems unternommen? Mit welchem Erfolg?
  8. Was würde dafür sprechen, das Problem nicht zu lösen?
  9. Was müsste ich tun, damit sich das Problem noch mehr verfestigt?
  10. Angenommen, das Problem wäre über Nacht gelöst. Was wäre dann anders?
  11. Was will ich stattdessen? Was soll sich ändern? (Positiv formulieren, auf keinen Fall „ich will nicht ...“, sondern „ich will ...“)
  12. Woran erkenne ich, dass ich eine Lösung erreicht habe?
  13. Wann soll das sein?
  14. Was ist mein erster Schritt?

Diese Fragen können Sie für sich selbst bearbeiten. Wir empfehlen Ihnen aber, Sie gemeinsam mit jemandes durchzugehen, der dafür sorgt, dass Sie "am Ball" bleiben und nicht ausweichen, wenn es mal unangenehm wird.

Vielleicht beginnen Sie mit einem kleineren Problem, um Übung für die größeren zu bekommen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

 

Quellenangabe

1) Ingo Kallenbach, Handout zum Kurs "Coaching-Modelle und Methoden" vom 16.09. 2002 bis 21.05.2003 im Odenwaldinstitut Wald-Michelbach

2) https://nlp-trainings-tille.de/blog/problemorientiertes-loesungsorientiertes-denken

3) Ingo Kallenbach, ebenda

4) https://psychiatrietogo.de/2012/02/04/die-5-wirkfaktoren-der-psychotherapie-nach-klaus-grawe/

Bildnachweis: fotolia_132104365_XS

 

 

 

 

 

 

 

 

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