Tipp: Modellieren Sie Verhalten!  Geschickt gewählte Vorbilder stärken Ihre Kompetenzen

Oft tritt jemand auf der Stelle und weiß nicht recht warum. Warum kommt es immer wieder zu denselben Konfliktsituationen oder Verhaltensweisen? Warum bekomme ich das nicht in den Griff? Liegt es überhaupt an mir? Im Coaching geht es darum, Probleme und Verhaltensmuster zu erkennen, eingefahrene Strukturen zu verändern und so den Schalter Richtung Verbesserung umzulegen.

 

Mit Modellieren Gefühls- und Handlungsmuster erkennen

Um einen Fortschritt zu erreichen, muss man Methoden kennen. Eine bewährte Methode ist die Modellierung oder auch Modeling genannt. Diese Begriffe sind aus dem lateinischen „Modolus“ oder „Modus“ abgeleitet und bedeuten „eine kleinere Version des Originals“ zu kreieren und etwas nachzuahmen. Mit Modellieren erarbeiten Coach und Klient zusammen Informationen über strategische Muster des Klienten, z. B. wie er dazu kommt, bestimmte negative und positive Gedanken, Gefühls- und Handlungsmuster auszuführen.1

Das hilft zum einen dem Klienten, einen Einblick zu gewinnen, wie genau ein Problem entsteht und sich entfaltet. Es eröffnet gleichzeitig die Sicht auf mögliche Schritte zur Problemlösung.

Modeling kann Sie unterstützen:

  •  Beim Erlernen neuer Verhaltensweisen
  •  Bei nicht gemachten wichtigen Erfahrungen
  •  Zur Leistungsstabilisierung und -steigerung im Sport und im Arbeitsleben 
  •  Zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben
  •  Im Umgang mit Konflikten
  •  Zur Verbesserung der kommunikativen Kompetenz
  •  Beim Erreichen von Gelassenheit in schwierigen Situationen

Durch Nachahmen erfolgreiche Strategien begreifen und verändern

Mit der Modellierung werden außerdem erfolgreiche Strategien anderer Menschen erfasst, um sie zu lernen und zu nutzen.2

Der kanadische Psychologe Albert Bandura spricht vom „Lernen am Modell“. Jemand beobachtet andere, nimmt sie als Modell, legt sich so neue Verhaltensweisen zu oder verändert bereits vorhandene3

„Steht das Modell (oder Vorbild) zur Verfügung und kann befragt werden, ist es ein explizites Modeling. Beim sogenannten impliziten Modeling steht das Modell nicht zu Verfügung. Man arbeitet dann mitBerichten und der eigenen Phantasie über das Vorbild.4 „Es geht (jedoch beim Modellieren) nicht darum, einen außergewöhnlichen Menschen zu plagiieren, sondern darum, die Hintergründe des Außergewöhnlichen zu verstehen und daraus zu lernen.“5

Wer kann Vorbild sein?

Als Vorbilder eignen sich nicht nur andere Personen. Vorbild kann auch man selber sein, z. B. als man eine gute Leistung vollbracht oder ein Problem gelöst hat. Der Sportpsychologe Donald R. Ligget hat auch Tiere, die in einem relevanten Bereich besonders leistungsfähig und erfolgreich sind, sowie Maschinen mit einer Eigenschaft, die man sich aneignen möchte, in seiner Arbeit mit Leistungssportlern genutzt. Ligget berichtet von einem Football Linemann mit Geschwindigkeitsproblemen beim 40-Yard-Print. Er forderte ihn auf, sich in einen schwarzen Panther hineinzuversetzen. Einem Langstreckenläufer empfahl er zur Überwindung des „Toten Punktes“, sich eine Dampflok vorzustellen.6


Der „New-Behaviour-Generator“

Die folgende Methode können Sie nutzen, um störende oder weniger hilfreiche Verhaltensweisen zu verändern. Sie setzt das Modeling ein, stammt aus dem NLP und heißt „New-Behavior-Generator“.7

1) Denken Sie an eine problematische Verhaltensweise, z. B. übermäßige Anspannung vor Vorträgen.

2) Überlegen Sie sich, welches Verhalten Sie sich wünschen, z. B. souverän und gelassen auftreten.

3) Bestimmen Sie, wofür das gut ist, sich anders zu verhalten (souverän und gelassen aufzutreten)

4) Fragen Sie sich, woran Sie merken, dass Sie dieses Ziel erreicht haben.

5) Wählen Sie jetzt eine Modellperson/ein Vorbild aus, das dieses Verhalten an den Tag legt.

6) Projizieren Sie die Person auf eine Leinwand und schauen Sie sich, wie ein Kinobesucher im Film an, wie diese Person das gewünschte Verhalten zeigt.

7) Stellen Sie sich nun vor, Sie könnten sich selbst auf der Leinwand sehen, wie Sie das Verhalten Ihres Vorbildes ausführen.

8) Für den nächsten Schritt stellen Sie sich vor, das neue Verhalten selbst mit allen Sinnen auszuführen und zu erleben. Sie erleben das, was Sie vorher im (inneren) Film erlebt haben, jetzt am eigenen Leib.

9) Wiederholen Sie den Schritt 8 mehrfach, bis Sie das Gefühl haben, dass Sie das neue Verhalten in einer realen Situation abrufen können.

Die Durchführung dieser Technik setzt eine gewisse Übung in imaginativer Arbeit voraus. Wer in einer solchen imaginativen Arbeit noch nicht hinreichend geübt ist, schafft das aber mit einem erfahrenen Coach an der Seite und sollte sich nicht scheuen, sich Unterstützung zu holen.

 

Quellen

1. vgl. Bent Hansen, Was Sie über NLP wissen sollten- Wissenschaftliche Wurzeln des Neuro-Linguistischen Programmierens, Bargteheide 2010, S. 95-97

2. ebd.

3. www.cicero.biz , Lernen am Modell Albert Bandura

4. in Anlehnung an http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Modelling

5. Imke Kelcher in „Lernen von Leitfiguren. Vorbilder im Business“, managerSeminare, März 2011, S. 40

6. siehe hierzu beispielsweise Donald R. Ligget, Sporthypnose, Heidelberg 2004, S. 71

7. in Anlehnung an Alexa Mohl, Der große Zauberlehrling -Teil 2, Paderborn 2006, S. 609 f.

Bildnachweis: fotolia

 

 

 

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