Das Unternehmerpaar: eine Beziehung zu Dritt (1)

So entwickeln Sie Beziehung und Unternehmen

Familienunternehmen werden besonders im Handwerk, in den Freien Berufen oder in der Landwirtschaft häufig von Paaren geführt.

Paar und Unternehmen sind zwei Welten

Während die Paarbeziehung stärker emotionsgetragen ist und von Liebe, Zuneigung, Wertschätzung und Anerkennung abhängt, dominiert im Unternehmen das Leistungsprinzip. Im Unternehmen wird der Wert einer Person stärker daran gemessen, in wie weit sie ihre Aufgabe erfüllt und zur Wertschöpfung beiträgt. In der Paarbeziehung gelten also andere Regeln, als im Unternehmen (2). Diese unterschiedlichen Rollen auseinander zu halten, ist für ein Unternehmerpaar nicht immer einfach.

Mit dem Unternehmen auf der einen und dem Paar auf der anderen Seite entsteht ein "Dreiecksverhältnis" (3) mit wechselseitiger Wirkung. Soll sich dieses Trio erfolgreich entfalten, funktioniert das nur, wenn das Paar für sich und das Unternehmen gleichermaßen sorgt.

11 Empfehlungen  für ein gutes Zusammenwirken als Paar im Unternehmen

Was ist hilfreich?

1. Eine Verständigung darüber, wo es mit dem Unternehmen hingehen soll, also eine   gemeinsame Vision, eine gemeinsame Zielsetzung und Strategie.

2. Die Verteilung der Aufgaben sollte an dem orientiert sein, was jeder gerne tun und gut kann. Das sollte schriftlich in einem Organigramm und Geschäftsverteilungsplan fixiert sein, in dem auch die Zuständigkeiten der Mitarbeiter ausgewiesen sind(4).

3.Regelmäßige, am besten allwöchentliche Abstimmungsgespräche zwischen den Partnern. Auch mit den Mitarbeitern sollten regelmäßige Gespräche stattfinden.

4. Gegenüber Mitarbeitern und in Bezug auf Kunden und Geschäftspartnern ist ein einheitliches, transparentes und nicht widersprüchliches Auftreten wichtig. Einigen Sie sich deshalb auf Regeln für den Umgang miteinander bei Konflikten, Regelverstößen durch Mitarbeiter und die Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern (5). Einheitliches Auftreten heißt nicht, dass es keine unterschiedliche Sichtweisen zwischen den Partnern geben soll.

5.Klären Sie Konflikte mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin zügig und unter sich, also nicht vor Mitarbeitern. Dies führt sonst bei den Beschäftigten leicht zu Loyalitätskonflikten oder hat gar Vorbildcharakter für deren Verhalten nach dem Prinzip: "Wenn die sich so verhalten, kann ich das auch." (6)

6.Verständigen Sie sich auf eine angemessene Entlohnung für Ihre Unternehmertätigkeit. Denken Sie auch über eine Entlohnung des von jedem Partner eingebrachten betriebsnotwendigen Vermögens nach (Mieten, Pachten für Grundstücke und Gebäude, Verzinsung für eingebrachtes Kapital). In wie weit diese Vergütungen entnommen werden oder im Unternehmen verbleiben, ist eine gesonderte Entscheidung.

7.Ist ein Partner mitarbeitender Familienangehöriger (möglicherweise ohne Eigentum am Unternehmen) sollte eine angemessene, arbeitsvertraglich gesicherte Entlohnung vereinbart werden. Auf dessen Absicherung im Falle des Scheiterns der Beziehung sollte geachtet werden.

8.Begrenzen Sie das unternehmerische Risiko, dass mit einem Ausfall von Ihnen und Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin verbunden ist, durch einen Notfallplan (Stellvertreterregelung, Vollmachten, Testament u. s. w.).

9.Der Fortbestand des Unternehmens im Falle von Scheidung oder Tod sollte durch Gesellschaftsvertrag und/oder einen Ehe- oder Partnerschaftsvertrag gesichert werden (7).

10. Und vor allen Dingen: Sorgen Sie für sich selbst, pflegen Sie Ihre Familie und  Ihre Paarbe-ziehung. Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihr Privatleben. Und auch wenn's nicht einfach ist: trennen Sie Privatleben und Betrieb, schaffen Sie sich Freiräume.

11.Lassen Sie sich in all diesen Fragen sachkundig beraten und unterstützen.

Die beigefügte Checkliste, die Sie sich kostenlos herunterladen können, ermöglicht Ihnen einen ersten Überblick über den Stand Ihrer partnerschaftlichen Zusammenarbeit und zeigt Ihnen mögliche "Baustellen" auf .

Download: Checkliste-Unternehmerpaare.pdf

Quellen

Neben eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, Gesprächen mit Fachkolleginnen und -kollegen haben wir auf die folgenden Quellen zurückgegriffen:

1) Begriff " .. Beziehung zu Dritt" in Anlehnung an Hagen Böser, Seminar "Das Paar-eine Beziehung zu dritt als System" am 30.06.- 02.07.2009 in Mainz.

2) siehe Arist von Schlippe, Zwischen Ökonomie und Psychologie: Konflikte in Familienunternehmen, ZKM- Zeitschrift für Konfliktmanagement, 1/2009 Seite 17 so wie Markus Plate und Torsten Groth, Beratung von Familienunternehmen als permanentes Entfalten von Paradoxien, PiD -3-2007, Seite 262

3) Hagen Böser, ebenda

4) in Anlehnung an Ellen Lorentz, Doppelt gut...Unternehmensleitung im Team, Broschüre des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, Seite 14

5) siehe ebenda Seite 14 und 15

6) in Anlehnung an Manuel Endress, Konflikt im Unternehmen - Streit im Familienbetrieb richtig bewältigen, http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/streit-im-familienbetrieb-richtig-bewaeltigen/150/3099/297573

7) siehe http://gruender.wiwo.de/schatz-kommen-wir-zum-geschaeft/2/

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